Gedämmte Gebäudehüllen sorgen für Energieeffizienz – gleichzeitig bleibt das Lüftungsverhalten der Bewohner oft unverändert. In Verbindung mit steigender Luftfeuchtigkeit und veränderten Klimabedingungen entstehen günstige Voraussetzungen für Schimmel, Algen und Pilze an Fassaden und in Innenräumen.
Schimmel zählt zu den Mikroorganismen und gehört biologisch zu den Pilzen. Er wächst auf organischem Material wie Holz, Papier, Teppichboden, Klebstoff oder auch auf mineralischen Untergründen, wenn Feuchtigkeit vorhanden ist. Bereits Luftstaub kann als Nährstoffquelle ausreichen. Schimmelsporen können gesundheitlich belastend sein, insbesondere über die Atemwege.
Algen sind dahingegen als autotrophe (selbsternährende) Organismen in der Lage, aus anorganischen Stoffen organische aufzubauen. Sie produzieren ihre Nährstoffe durch Photosynthese. Algen benötigen für ihr Wachstum in erster Linie Licht, CO₂, Feuchtigkeit und bestimmte Spurenelemente.

Ob Algen, Pilze oder Schimmel – mikrobiologischer Befall an Fassaden entsteht nicht zufällig. Vielmehr ist er das Ergebnis mehrerer gleichzeitig wirkender Einflüsse. Diese reichen von klimatischen Bedingungen über bauliche Eigenschaften bis hin zur Ausrichtung und Lage des Gebäudes. Ein Verständnis dieser Ursachen ist die Grundlage für wirksame Schutzmaßnahmen.
Mehrere Rahmenbedingungen begünstigen das Wachstum von Mikroorganismen auf Fassadenflächen:
Die energetischen Anforderungen an Gebäude haben zu einer stärkeren Dämmung der Gebäudehülle geführt. Das hat Auswirkungen auf den Feuchtehaushalt der Fassade:
Dämmung verbessert zwar den Wärmeschutz, verändert jedoch gleichzeitig die bauphysikalischen Bedingungen an der Fassadenoberfläche – mit Auswirkungen auf die Gefahr mikrobiellen Bewuchses.
Auch der geografische Standort und die klimatischen Rahmenbedingungen eines Gebäudes haben erheblichen Einfluss. Besonders kritisch sind Regionen mit:
Diese Faktoren sind zwar nicht beeinflussbar, müssen aber bei der Planung, Materialwahl und Wartung berücksichtigt werden, um Risiken zu minimieren.
Ein oft zitierter Grundsatz in der Planung bringt es auf den Punkt:
„Was trocken bleibt, bleibt algenfrei.“
Mikrobieller Bewuchs an Fassaden lässt sich nicht vollständig verhindern – wohl aber deutlich reduzieren. Entscheidend sind dabei verschiedene Faktoren: die Auswahl geeigneter Baustoffe, der gezielte Einsatz von Bioziden sowie eine regelmäßige Reinigung und Wartung der Fassadenoberfläche. Im Zusammenspiel tragen diese Maßnahmen dazu bei, die Lebensdauer von Putz- und Beschichtungssystemen zu verlängern und die Optik dauerhaft zu erhalten.
Die Materialwahl hat maßgeblichen Einfluss auf die Bewuchsanfälligkeit einer Fassade. Bestimmte bauphysikalische Eigenschaften wirken wachstumshemmend und sollten daher bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden:
Biozidhaltige Produkte (algizid, fungizid eingestellt) bieten einen zusätzlichen Schutz, insbesondere in kritischen Lagen. Die Wirkstoffe werden durch Feuchtigkeit aktiviert und mit der Zeit ausgewaschen – die Schutzdauer hängt stark von der Belastung und Produktqualität ab.
Auch die robusteste Fassadenbeschichtung verliert an Wirkung, wenn sie dauerhaft verschmutzt ist. Staub, Pollen und Umweltpartikel bieten Mikroorganismen eine ideale Nährstoffquelle. Daher gilt:
Schimmel im Innenbereich ist nicht nur ein optisches oder hygienisches Problem, sondern kann auch die Bausubstanz gefährden und gesundheitliche Beschwerden auslösen. Die Ursachen sind meist baulicher oder nutzungsbedingter Natur. Um Schimmel wirksam zu beseitigen und dauerhaft zu vermeiden, müssen sowohl die Quelle des Feuchtigkeitsproblems als auch das Nutzerverhalten berücksichtigt werden.
Häufige Ursachen für mikrobiellen Befall in Innenräumen sind:
Kritisch wird es, wenn die relative Luftfeuchtigkeit dauerhaft über 70 % liegt oder die Oberflächentemperatur unter 15 °C fällt – besonders an Außenwänden oder in wenig beheizten Räumen.
Hygrometer und Thermometer helfen dabei, kritische Bedingungen frühzeitig zu erkennen.
Vor der optischen Beseitigung muss immer die Feuchtigkeitsursache behoben werden. Erst danach sind weitere Maßnahmen sinnvoll:
Für die Reinigung befallener Flächen können Chlorbleichlauge oder Wasserstoffperoxid verwendet werden. Dabei ist jedoch auf geeignete Schutzausrüstung zu achten.
Wir empfehlen ein System auf Silikatbasis, das durch einen erhöhten pH-Wert mikrobiellen Befall dauerhaft hemmt. Farben mit hohem bzw. erhöhtem pH-Wert sind in die Klasse der Silikatfarben oder Dispersionssilikatfarben einzuordnen. Schimmelpilze benötigen, wie oben beschrieben, Nährstoffe und Feuchtigkeit. Der hohe pH-Wert bildet keinen Nährboden für mikrobiologischen Befall. Silikatische Farben sind neben ihrer technischen Funktion auch hinsichtlich Gesundheit und Umweltverträglichkeit besonders positiv, da sie keine Inhaltsstoffe enthalten, die Allergien auslösen können.
Ein dauerhaft schimmelfreier Innenraum ist durch einfache, aber konsequente Maßnahmen erreichbar:
Praxis-Tipp: Beim Stoßlüften gilt: Ist bei geöffneten gegenüberliegenden Fenstern ein Luftzug deutlich spürbar – zum Beispiel mit einem angefeuchteten Finger –, findet ein effektiver Luftaustausch statt.
Mikrobiologischer Befall lässt sich durch die Kombination aus guter Planung, geeigneten Baustoffen, fachgerechter Ausführung und gezielter Instandhaltung deutlich reduzieren. Für Malerbetriebe und Fachhandel bedeutet das: gezielte Beratung, geeignete Produktauswahl und praxisnahe Lösungen sind entscheidend für den langfristigen Schutz von Fassaden und Innenräumen.
Mikrobieller Befall entsteht, wenn Feuchtigkeit dauerhaft auf der Fassadenoberfläche verbleibt – z. B. durch Regen, Tauwasser oder hohe Luftfeuchtigkeit. Niedrige Oberflächentemperaturen, geringe Sonneneinstrahlung und Verschmutzungen begünstigen das Wachstum von Algen und Pilzen zusätzlich.
Fassadenmaterialien mit glatter, wasserabweisender Oberfläche und einem hohen pH-Wert (z. B. Silikatfarben) sind weniger anfällig für mikrobiellen Befall. Auch helle Farbtöne und schnell austrocknende Fassadensysteme – z. B. mit hydrophober Oberfläche oder hohem pH-Wert – können mikrobiellen Befall reduzieren, da sie Feuchtigkeit schneller abführen und die Oberfläche trockener halten.
Die Wartungsintervalle hängen von Standort, Witterung und Fassadensystem ab. Grundsätzlich gilt: Verschmutzungen sollten frühzeitig entfernt werden, da sie den Nährboden für Mikroorganismen bilden. Der Instandhaltungsleitfaden der Verbände gibt dazu konkrete Empfehlungen.
Regelmäßiges Stoßlüften, ausreichend beheizte Räume und ein Abstand der Möbel zur Außenwand reduzieren die Schimmelgefahr. Die Luftfeuchtigkeit sollte idealerweise dauerhaft unter 60 % liegen. Hygrometer helfen bei der Kontrolle.
Dann können Sie jederzeit mit unseren Fachberatern im Außendienst oder unserer Technik im Innendienst telefonisch Kontakt aufnehmen. Oder senden Sie uns gerne eine E-Mail, wenn Sie uns Ihre Fragen schriftlich zukommen lassen möchten.